In den deutschen Fachhochschulen und Universitäten werden junge Menschen aus bildungsbenachteiligten Familien und beruflich Qualifizierte ohne klassische Hochschulzugangsberechtigung immer noch stark benachteiligt. Zwar werden aktuell aus allen politischen Richtungen Forderungen nach Durchlässigkeit und Chancengleichheit im Hochschulsystem in die Bildungspolitik eingebracht. Doch bleibt die Realität weit hinter diesen Appellen zurück. "Solange 83 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien ein Studium beginnen, aber nur 23 von 100 Jugendlichen aus Nichtakademikerverhältnissen, stimmt etwas Grundlegendes nicht ", so IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer. "Eine soziale Öffnung der Hochschulen bedeutet für uns die Abschaffung von klassischen Hürden, wie die Studiengebühren für ein Erststudium. Zudem muss das BAFöG weiterentwickelt werden. Der Ausbau der Stipendienprogramme ist gut, allerdings werden in der Regel davon meist nur Jugendliche aus höheren Schichten angesprochen."
Das neue Leitbild "Demokratische und Soziale Hochschule" soll zur weiteren Diskussion anregen. Dringend gilt es die Bologna-Reformen in den Universitäten und Hochschulen konstruktiv zu begleiten, damit Weiterentwicklungen vorangetrieben und Fehlschritte schnell korrigiert werden können. Edeltraud Glänzer: "Dazu müssen die Hochschulen lernen, die Studenten "als Kunden" zu sehen. Das Studium darf nicht als "Druckbetankung von Wissen mit schnellem Abschluss" missbraucht werden." Das hochschulpolitische Reformprogramm der Gewerkschaften stellt ein Leitbild als Alternativentwurf zu Modellen dar, die den Wissenschafts- und Lehrbetrieb nur einseitig über ein Wettbewerbskonzept modernisieren wollen.