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IG-BCE-Vorstandsmitglied Peter Hausmann:

Demografie duldet keinen Aufschub

In einem Kommentar exklusiv für IG-BCE-Online unterstreicht Peter Hausmann, für Tarifpolitik zuständiges Mitglied im geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstand, die Bedeutung des Demografie-Tarifvertrags:

Peter Hausmann, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE
Foto: Cintula

"Die Auswirkung der größten Weltwirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte ist noch immer das beherrschende Thema in unseren Betrieben. Beschäftigung zu sichern und möglichst unbeschadet aus der Krise zu kommen, ist das Ziel der IG BCE und unserer Betriebsräte. Das ist uns bisher gemeinsam gelungen und darauf können wir zu Recht stolz sein.

Darüber hinaus bestehen weitere große Herausforderungen. Eine davon ist der intelligente Umgang mit der demografischen Entwicklung. Der demografische Wandel in Deutschland wird in den kommenden Jahren als neue Einflussgröße massiv auf den Wirtschaftserfolg der Unternehmen einwirken und gleichzeitig unmittelbare Wirkung auf die Beschäftigung haben. Die Standortperspektiven und der Erhalt unserer Standortstärken sind untrennbar mit dem richtigen Umgang mit dieser Frage verbunden.

In der chemischen Industrie haben wir in der Tarifrunde 2008 einen tarifpolitischen Meilenstein gesetzt, der ab Januar 2010 seine Wirkung entfalten wird. Der Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie" bietet einen Rahmen und Instrumente die je nach den betrieblichen Gegebenheiten eingesetzt werden können. IG BCE und Arbeitgeberverband haben die Chemie-Formel zur Gestaltung des demografischen Wandels gemeinsam entwickelt. Sie setzt sich aus vier Elementen zusammen.

  • Erstellung einer betrieblichen Demografie-Analyse
  • alters-, alterns- und gesundheitsgerechte Organisation der Arbeitsprozesse
  • Qualifizierung während des gesamten Erwerbslebens und
  • (Eigen-) Vorsorge und Nutzung flexibler Instrumente für den Wechsel zwischen Bildungs-, Erwerbs- und Ruhestandspausen.

Durch die Einrichtung eines Demografie-Fonds auf betrieblicher Ebene, zahlt der Arbeitgeber pro Jahr und Beschäftigten 300 Euro in den Fonds ein. Über die Verwendung des Geldes entscheiden Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam. Sie können unter fünf Möglichkeiten auswählen: Langzeitkonto, Altersteilzeit, Teilrente, Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung Chemie (BUC) und Altersvorsorge.

Mit der Umsetzung des Vertrags sind wir durchaus zufrieden. Die Demografie-Analysen sind abgeschlossen, und trotz der Wirtschaftskrise haben die Betriebsparteien die erforderlichen Vereinbarungen fast flächendeckend unter Dach und Fach. Die Entscheidung welche Instrumente im Betrieb zur Anwendung kommen fiel richtigerweise sehr differenziert aus: Hier helfen keine Lösungen "von der Stange", sondern nur der gezielte Blick, welche Herausforderungen im jeweiligen Unternehmen angegangen werden müssen. Mein Dank gilt insbesondere unseren Betriebsräten, die in einer schwierigen Zeit Antreiber und Umsetzer unseres Tarifvertrages sind.

 


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