Dokumentation Equal Pay Day 2010 Frauen verdienen in Deutschland fast ein Viertel weniger als Männer. Um auf diese bestehende Lohnkluft hinzuweisen, gibt es jährlich einen Tag für gleiche Bezahlung. Das Datum des Equal Pay Day markiert den Stichtag, bis zu dem eine Frau länger arbeiten muss, um den Jahresverdienst ihres männlichen Kollegen zu erreichen. 2010 ist das Datum des Equal Pay Day auf den 26. März nach hinten gerückt. Das bedeutet einen Rückschritt in Sachen Entgeltgerechtigkeit.
Equal Pay Day 2010 Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit Fair p(l)ay - Spielregeln für die Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt - unter diesem Motto fand am 26. März eine Equal Pay Day-Konferenz in der IG-BCE-Hauptverwaltung statt. Hintergrund: Frauen verdienen in Deutschland fast ein Viertel weniger als Männer. Rund 140 Teilnehmerinnen - darunter die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles - nahmen an der vom BPW Hannover, der Ev. Frauenarbeit Niedersachsen, dem Verband medizinischer Fachberufe sowie von der IG BCE initiierten Tagung teil. IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer: „Mit dem Equal Pay Day werden wir unserer gewerkschaftlichen Forderung nach Entgeltgerechtigkeit Nachdruck verleihen. Als ersten Schritt fordern wir die Durchführung von Entgeltanalysen in den Betrieben, um eine aussagekräftige Datenlage zu erhalten."
Edeltraud Glänzer - IG BCE: Chancengleichheit fängt in den Köpfen an Beim Thema „Equal Pay" sieht IG-BCE-Vorstandsmitglied Edeltraud Glänzer Politik, Unternehmen und Gewerkschaften gemeinsam gefordert: "Chancengleichheit ist nicht nur ein Thema für Frauen." Die Frage der Entgeltgleichheit sei eine Facette des Problems. Aber: „Das müssen wir endlich gemeinsam ändern!" Wo allerdings Tarifverträge und Betriebsräte beständen, sei die Entgeltlücke wesentlich geringer. Die IG BCE führe derzeit betriebliche Analysen durch, um festzustellen ob, wo und - wenn ja - warum in Betrieben im Organisationsbereich der IG BCE „Equal Pay" nicht umgesetzt werde. Sie setze erst einmal auf gemeinsames Vorgehen im Rahmen der Sozialpartnerschaft statt auf gesetzliche Quoten-Regelungen und erwarte „mehr Engagement in den Betrieben." Ihre Mahnung: „Chancengleichheit fängt in den Köpfen an!"
Andrea Nahles - SPD-Generalsekretärin: Telekom-Debatte macht manchen Leuten Beine Sie freue sich, dass der Equal Pay Day mittlerweile eine Bewegung sei, „die immer größer und stärker wird", so SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Es sei notwendig, bei diesem Thema „die Finger in die zu Wunde legen." Sie plädiere für eine Quotenregelung in Aufsichtsräten, sowie für einen flächendeckenden Mindestlohn Es wären nämlich überwiegend Frauen, die davon profitieren würden. Nahles energisch zum Thema ungleiche Bezahlung: „Ich wünsche mir mehr Wut bei den Frauen, wenn die Arbeit, die man macht, so diskriminiert wird". Und sichtlich verschmitzt zur Quote bei Führungspositionen: „Die Debatte um die Telekom macht manchen Leuten Beine!"
Barbara Steffner - Vertretung der EU: Europaweit sieht Deutschland schlecht aus Barbara Steffner von der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland erinnerte daran, dass die europäischen Verträge schon vor Jahrzehnten gleiches Entgelt für Männer und Frauen eingefordert hätten. Große Unterschiede bei der Bezahlung gebe es natürlich auch innerhalb der EU. Dabei sehe die Bundesrepublik mit dem fünftletzten Platz leider recht schlecht aus. Steffner kündigte für den Herbst eine neue EU-Strategie zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen an. Sie verwies auf eine gerade jetzt veröffentlichte EU-Studie. Danach führten mehr Frauen in Führungspositionen zu größerem wirtschaftlichen Erfolg in den Unternehmen. Ihre angestrebten Ziele: Maßnahmen im Niedriglohn-Sektor setzen, bei der Familienbetreuung weiterkommen sowie das Verhalten bei Männern und Frauen in Fragen der Gleichstellung ändern.
Claudia Weinkopf - Uni Duisburg-Essen: Das Thema Mindestlohn ''am Kochen'' halten In den Niedriglöhnen sieht Claudia Weinkopf von der Universität Duisburg-Essen eine der Hauptursachen für die Entgeltunterschiede: „Über 69 Prozent von Niederlohnempfängern sind Frauen." Ihre nachdenklich stimmende Botschaft: "Jede dritte Frau arbeitet für einen Mindestlohn." Man dürfe auch nicht davon ausgehen, dass die niedrigen Einkommen quasi nur ein „Zusatzeinkommen" zum Haushaltseinkommen darstellen würden. Der andere Partner würde schon über ein ausreichendes Volleinkommen verfügen. Dieser Eindruck sei falsch. Jeder könne heutzutage schnell seinen Job verlieren. Daher sei aus ihrer Sicht ganz dringend ein Mindestlohn erforderlich. Weinkopf: „Das Thema muss am Kochen gehalten werden."
Workshops Spannende Inhalte - Lebendige Diskussionen Lebendige Workshops gab es im Anschluß an Referate und Podiumsdiskussion. Die Themen: "Die Tabuknacker: Wir knacken Tabus rund ums Thema Geld" mit Sandra Masemann/Barbara Messer (Masemann + Messer GbR), "Unternehmensreputation durch Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Attraktiv sein für Kunden und Beschäftigte: Wie können wir damit Arbeitsplätze sichern?" mit Dr. Olaf Mußmann (Dr. Mußmann & Partner - Personal- und Organisationsentwicklung), "Erfolgsfaktor Ich" präsentiert von Cornelia Leunig (IG BCE) sowie "Frauen auf dem Weg in Führung" mit Dr. Ute Schlegel (Projektleiterin Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH).
Charta zum Fair p(l)ay Charta der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz der Zukunft Zum Abschluss der Equal-Pay-Day-Tagung 2010 bekräftigten die Veranstalterinnen nochmals die „Charta zum Fair p(l)ay". Darin heißt es unter anderem: „Die Mitglieder des Initiativkreises und die von ihnen vertretenen Organisationen verpflichten sich daher, sich weiter für die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung am Arbeitsmarkt der Zukunft einzusetzen und auf Beseitigung bestehender Nachteile zu drängen. Entgeltgleichheit schafften - Ursachen angehen meint auch die Chancengleichheit und die Durchlässigkeit zu allen Ämtern und Positionen für Männer und Frauen sowie bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie."
Von der "natürlichen Hausfrau" zur Gleichberechtigung: Der Weg der Frauen aus der Rechtlosigkeit dauerte mehr als 150 Jahre und war hart umkämpft. IG BCE Online schildert wichtige Stationen.