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IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis:

Alle haben ein Recht auf eine gute Zukunft

Die Ausgabe 11/2009 des Newsletter "Aktiv + Gleichberechtigt" der Initiative "Mach meinen Kumpel nicht an! - Verein gegen Ausländerfeindlichkeit und Rassismus" präsentiert ein ausführliches Interview mit Michael Vassiliadis, dem Vorsitzenden der IG BCE. Den Schwerpunkt bildet natürlich das Thema Migration in Deutschland.

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE
Foto: Cintula

Michael Vassiliadis wurde 1964 in Essen geboren und absolvierte eine Ausbildung als Chemielaborant. Seit über zwanzig Jahren ist er für die Gewerkschaft tätig - seit 2004 als Mitglied des geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstandes. Im September wurde er zum neuen Vorsitzenden der IG BCE gewählt. Dies nahm Aktiv + Gleichberechtigt zum Anlass für ein Gespräch:

Du bist in diesen Tagen zum ersten Vorsitzenden einer deutschen Gewerkschaft mit Migrationshintergrund gewählt worden. Dazu zunächst einmal unsere herzlichsten Glück- und Erfolgswünsche. Welche Rolle spielt dies für dich und deine zukünftige Arbeit?

Dass ich Sohn eines Migranten bin stimmt, dazu stehe ich. Was mich allerdings wundert ist, dass ich immer wieder darauf angesprochen werde. Dass jemand mit Migrationshintergrund verantwortliche Aufgaben in der bundesrepublikanischen Gesellschaft übernimmt, muss heute nicht mehr als was Außergewöhnliches, sondern als normal betrachtet werden.

Immer wieder ist in den Medien von den schlechteren Chancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf einen Ausbildungsplatz zu lesen. Wie unterstützt die IG BCE als Gewerkschaft junge Migrantinnen und Migranten bei ihrer gleichberechtigten Teilhabe am Arbeitsleben?

Schon mit Blick auf den demografischen Wandel müssen wir uns ganz besonders um junge Menschen mit Migrationshintergrund bemühen, das heißt wir müssen sie im konkreten Alltag begleiten und so ihre Integration fördern. Vor dem Hintergrund einer sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit hat unsere Gewerkschaft bereits 1977 mit dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) Vereinbarungen geschaffen, um benachteiligte Jugendliche zu fördern. Dazu zählten und zählen immer noch viele Jugendliche mit Migrationshintergrund. So entstand ein Tarifvertrag, der besonders Jugendliche ohne Schulabschluss förderte. Diese Tariftradition wurde kontinuierlich fortgesetzt. Auch der im Jahre 2003 abgeschlossene Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung" ist beispielhaft. Ziel ist es, ein möglichst hohes Ausbildungsniveau zu erhalten und auszubauen.

Was erwartest du in dieser Beziehung von den Arbeitgebern?

Ich erwarte, dass der BAVC gemeinsam mit uns diesen spezifischen Aspekt der Tarifpolitik konsequent fortsetzt und die Arbeitgeber aus anderen Bereichen auch die Bereitschaft zeigen, ähnliche Tarifverträge abzuschließen.

Was muss deiner Meinung nach getan werden, damit Migrantinnen und Migranten nicht zu den einseitigen Verliererinnen und Verlierern der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise werden?

Um zu verhindern, dass benachteiligte Gruppen in den Betrieben, dazu zählen sicherlich auch Migrantinnen und Migranten, die Zeche der Krise bezahlen, müssen die Unternehmen mehr in Ausbildung und Weiterbildung investieren. Weiter müssen alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze geschaffen werden. Und schließlich geht es um sichere und gute Arbeit mit verlässlichen Einkommen: Leiharbeit und andere Formen unsicherer Beschäftigung haben mit „Guter Arbeit" nichts zu tun.

Welche Wünsche hast du an die zukünftige Bundesregierung in Sachen Migrations- und Integrationspolitik?

Alle Menschen, die in unserem Land leben, haben ein Recht auf eine gute Zukunft. Ich erwarte, dass die neue Bundesregierung endlich eine Integrationspolitik entwickelt, die diesen Namen auch verdient. Das fängt beim Sprachunterricht in den Kindergärten und Schulen an und hört beim Wahlrecht nicht auf.

Wie ist die Position der IG BCE zur immer wieder kehrenden Diskussion um ein Verbot der NPD?

Der vor wenigen Wochen beendete IG-BCE-Kongress hat einhellig die Forderung nach einem Verbot der NPD beschlossen. Eine Demokratie muss sich gegen ihre Feinde wehren. Gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit findet man uns immer in der ersten Reihe.

Du bist Fördermitglied im Kumpelverein, was hat dich dazu bewogen, unsere Arbeit zu unterstützen?

Der Verein engagiert sich schon seit über zwanzig Jahren gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Innerhalb der Gewerkschaften ist das Motto „Mach meinen Kumpel nicht an!" mit dem Logo der Gelben Hand eine feste Institution und ein übergreifendes Symbol gegen Fremdenfeindlichkeit. Gerade in Zeiten der Krise drohen menschenverachtende Ideologien wieder politikfähig zu werden. Mit der Gelben Hand kann jede und jeder in der Öffentlichkeit zeigen: „Ich bin gegen Rassismus! Ich bin für ein solidarisches Miteinander". Deshalb unterstütze ich „Mach' meinen Kumpel nicht an!"

 


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