Dies und vieles mehr sind nur einige Produkte, die in der Papier erzeugenden Industrie hergestellt werden.
Stellenwert der deutschen Papierindustrie
Die deutsche Papierindustrie zählt zu den technologie- und kapitalintensiven Branchen. In den letzten Jahren wurde ein Umsatz von zirka 16 Milliarden Euro/Jahr erzielt und mehr als 22 Millionen Tonnen/Jahr hergestellt. Damit gehört die deutsche Papierindustrie neben Finnland und Schweden zu den größten Produzenten in Europa. Der Exportanteil an der gesamten Papierproduktion liegt bei rund 53 Prozent. Im weltweiten Vergleich steht die deutsche Papierindustrie hinter USA, China und Japan an vierter Stelle.
Anzahl der Betriebe und Beschäftigten
Die IG BCE betreut in der Papierindustrie über 220 Betriebe mit zirka 50.000 Beschäftigten. Dabei dominieren die mittelständischen Unternehmen mit 100 bis 500 Beschäftigten.
Rohstoff
Neben Frischholz, das zu Zellstoff verarbeitet wird, ist Altpapier der wichtigste Rohstoff der Papierindustrie. Der Einsatz von Altpapier zur Papierherstellung liegt bei ca. 15,5 Millionen Tonnen. Das entspricht einer Altpapiereinsatzquote von 68 Prozent. Die deutsche Papierindustrie belegt damit weltweit den ersten Platz. In der Praxis kann eine Papierfaser ungefähr sechsmal recycelt werden, bevor sie für die Papierherstellung unbrauchbar wird. Das bedeutet, es muss immer eine Zufuhr von direkt aus Holz gewonnener Frischfaser bestehen bleiben.
Auch beim Einsatz von Frischholz hat die Papierindustrie die Nachhaltigkeit im Blick. So wird überwiegend Holz aus zertifizierten Waldflächen verwendet. Allein in Deutschland beträgt die nachhaltig bewirtschaftete Waldfläche zirka 7,3 Millionen Hektar. Dies entspricht rund zwei Drittel des deutschen Waldes.
Technologisch bietet die Verarbeitung von Holz zu Zellstoff weitere zukunftsträchtige Möglichkeiten. Die Holzrückstände können zu Biokraftstoff (Dimethylether, DME) als Dieselersatz weiterverarbeitet werden. Vor allem in Skandinavien laufen erste Versuchsanlagen zu dieser Technik.
Der zunehmende Wettbewerb mit der energetischen Verwertung von Holz führt zu Versorgungsproblemen der Papierindustrie und steigenden Holzpreisen. Für 2007 schätzte das Bundesumweltministerium (BMU) den Einsatz von Holz für die energetische Nutzung auf 52 Millionen m3. Bis 2020 soll dieser Anteil um mehr als 25 Prozent auf zirka 65 Millionen m3 steigen.
Diese Entwicklung ist insbesondere durch die Förderung im Rahmen des Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG) und die steigenden Preise für Heizenergie begründet.
Die IG BCE begrüßt die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen. Die stoffliche Verwertung eines Rohstoffes - wie in der Papierindustrie - muss jedoch Vorrang haben. Untersuchungen zeigen, dass eine stoffliche Verwertung eine erheblich höhere Wertschöpfung mit positiveren Auswirkungen auf die Beschäftigung hat, als die energetische Verwertung (Verbrennung).
Nur ein Teil des Holzsortimentes kann in der Zellstoff- und Papierproduktion eingesetzt werden. Ein Forstmanagement, das „Energieholz" als ein neues, zusätzliches Sortiment ausweist, kann zur besseren Vereinbarkeit von stofflicher und energetischer Verwertung beitragen.
Außerdem ist es notwendig, im Rahmen der Nachhaltigkeit die Einschlagsmenge zu erhöhen, um durch ein zusätzliches Angebot preissenkend zu wirken.
Aktuelle Wirtschaftssituation
Während sich die Papierindustrie in den letzten Jahren relativ stabil entwickelte, hat die Finanz- und Wirtschaftskrise auch die Papierindustrie seit Mitte 2008 getroffen. Für 2009 sind Produktionsrückgänge von zirka 10 Prozent zu verzeichnen, in einzelnen Produktsegmenten bis zu 18 Prozent. Zum Jahresende 2009 war eine Belebung der Auftragseingänge und Produktionsmengen zu verzeichnen. Zwar wird für 2010 mit einer Erholung der Papierindustrie gerechnet, allerdings bestehen weiterhin Überkapazitäten in einzelnen Segmenten. Diese strukturellen Probleme, verbunden mit einem Preisverfall, der erst Ende 2009 leicht gestoppt werden konnte, bilden die große Herausforderung für die deutsche Papierindustrie.
Herausforderungen
Wie andere Industriebereiche, so ist auch die Papierindustrie mit den Auswirkungen des demografischen Wandels konfrontiert. Alternde Belegschaften in Verbindung mit Rekrutierungsschwierigkeiten für qualifizierten Nachwuchs sind die Herausforderung für die Unternehmen. Der Beruf des Papiertechnologen ist häufig nur wenig bekannt, beinhaltet aber ein spannendes und vielfältiges Tätigkeitsfeld.