Druckansicht | IG BCE Online | 10.09.10
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Branche

Kautschuk

Die kautschukverarbeitenden Betriebe als Zulieferer für die Automobilhersteller sind weitgehend abhängig von der Kraftfahrzeugproduktion. Deshalb bestimmen die Rahmendaten der Automobilindustrie wesentlich die ökonomischen Aussichten der Kautschukverarbeiter, was in Verbindung mit der Wirtschaftskrise zu dramatischen Auftragsrückgängen, durchweg Kurzarbeit und teilweise zu Standortdiskussionen geführt hat.

Reifenproduktion bei Pirelli
Foto: Cintula

Die deutsche Kautschukverarbeitung wird in drei Fachzweige unterteilt:

  • Herstellung von Reifen
  • Runderneuerung von Reifen
  • Sonstige Gummiwaren (technische Gummiartikel wie Profile, Dichtungen, Riemen, Transportbänder, Schläuche mit Metallgummibindungen und medizinisch/sanitäre Gummiprodukte).

Nach wie vor sieht sich die Kautschukindustrie auch mit einem immer rauer werdenden Marktklima zwischen Automobilindustrie und Zulieferern konfrontiert. Die Gummiindustrie ist einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Die Strategie der Automobilindustrie läuft im Wesentlichen darauf hinaus, Kosten für Entwicklung und Logistik auf vorgelagerte Stufen abzuwälzen und gleichzeitig bei den Preisen weitgehende Zugeständnisse zu verlangen.

Die Forderungen der Einkäufer der Automobilhersteller sind:

  • Reduzierung der Lieferanten,
  • intensive Beziehungen mit wenigen Systemanbietern und
  • Just-in-time-Lieferung an jeden Produktionsort rund um den Globus.

Die Zuliefererproblematik ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  • Die Kfz-Hersteller suchen die Zusammenarbeit mit Systemanbietern, die ihrerseits die Koordination der Subunternehmer vorzunehmen haben.
  • Hoher Entwicklungsaufwand, da für jede neue Baureihe eine Sonderanfertigung benötigt wird.
  • Extrem hohe Qualitätsanforderungen, verbunden mit extremer Produkthaftung (die Kfz-Hersteller fordern eine absolut fehlerfreie Produktion, um die Wareneingangskontrolle einsparen zu können).
  • Die Einkäufer verlangen eine Offenlegung der Kalkulation seitens der Zulieferer und wollen langfristig selbst die Einkaufspeise festlegen.

Die Gummiindustrie hat bereits auf diese neue Marktlage reagiert mit zahlreichen Firmenaufkäufen, Fusionen und Kooperationsvereinbarungen - nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Um die Systemfähigkeit herzustellen beziehungsweise zu bewahren, wurden die Kerngeschäfte neu definiert, Unternehmensteile ausgegliedert und verkauft.

Die Automobilindustrie verlagert einen zunehmenden Teil ihrer Produktionskapazitäten in Regionen, in denen sie großes Wachstumspotential vermutet. Sie erwartet von ihren Systemlieferanten und Entwicklungspartnern, dass sie mit ihnen die Produktion in ausländische Wachstumsmärkte verlagert. Die Zulieferer sollen vor Ort präsent sein, um den Serviceansprüchen ihrer Kunden zu genügen, um flexibel auf lokale Präferenzen und Marktentwicklungen reagieren zu können. Wer nicht in der Lage ist, den Automobilhersteller auch im Ausland zu den gewünschten Bedingungen zu beliefern, scheidet auch in Deutschland als Lieferant aus.

Weiterführende Links und Downloads:
Kautschukindustrie: Jahresbericht 2009 mit Ausblick für 2010
Brancheninfo Nr. 09 / April 2010

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