Viele können - oder wollen - über die traditionelle gewerkschaftliche Ansprache nicht mehr erreicht werden. Die Gewerkschaftsarbeit muss sich diesen neuen Herausforderungen stellen, um ihren Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft nicht zu verlieren. Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft von Dauer ist und an Intensität noch zunimmt.
Die beschriebenen Trends hinterlassen Spuren an der Mitgliederbasis. Auch die IG BCE verzeichnet wegen des dramatischen Personalabbaus in den Unternehmen rückläufige Mitgliederzahlen, wenn auch in jüngster Zeit mit abgeschwächter Tendenz. Trotz der modernen Ausrichtung unserer Politik und der hohen öffentlichen Anerkennung konnte die IG BCE noch nicht ausreichend neue Mitgliedergruppen in den Betrieben gewinnen. Notwendig sind neue Konzepte, um unsere Zukunftsfähigkeit nachhaltig zu gewährleisten. Zielgruppenarbeit ist ein entscheidender Ansatz für eine erfolgreiche Mitgliederbindung und positive Mitgliederentwicklung.
Die Idee ist nicht am grünen Tisch entstanden. Sie kommt aus der Mitte der Organisation. Zielgruppenarbeit ist ein Ergebnis des Zukunftsprozesses Opus, das der IG-BCE-Hauptvorstand aufgegriffen hat.
Zielgruppenarbeit ist vor allem eine neue und flexible Arbeitsweise, die den veränderten Beteiligungswünschen der Menschen gerecht werden soll. Mit ihr geht die IG BCE genauer auf individuelle Bedürfnisse und Erwartungen ein. Zielgruppenarbeit bedeutet daher auch, die Betreuung der Mitglieder zu optimieren und neue Beschäftigungsgruppen mit einem flexibleren Angebot zu erreichen.
Zielgruppenarbeit greift die Bereitschaft vieler Menschen auf, konkret und zeitlich befristet an Themen zu arbeiten, die für sie persönlich von Interesse sind - ohne sich dabei in feste Strukturen einbinden zu lassen und dauerhaft Funktionen übernehmen zu wollen. Arbeit und Engagement in Projekten ist deshalb ein richtiges Angebot.
Mitglieder und Beschäftigte in den Betrieben gezielter ansprechen
Im Betrieb trägt der Vertrauensleutevorstand Verantwortung für die Organisation und Durchführung der Zielgruppenarbeit. In Abstimmung mit den Betriebsräten soll eine Strategie für den eigenen Betrieb erarbeitet werden, die sich von Betrieb zu Betrieb unterscheiden wird. Denn es geht stets darum, die spezifischen Probleme des jeweiligen Unternehmens in der Zielgruppenarbeit aufzugreifen.
Wichtig ist, dass Vertrauensleute und Betriebsräte die Einführung von Zielgruppenarbeit nicht als Konkurrenz zu bestehenden Arbeitsformen verstehen, sondern als eine Bereicherung, die die Interessensvertretung in den Betrieben fördert.
Darüber hinaus soll die Beteiligung kompetenter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Arbeit der Vertrauensleute und Betriebsräte stärken.